Rotschlämme, Könige und Zeitgeist

Kirsten Radermacher, Martin Langer und Andreas Bausch

28.06. – 18.10.2026

Plakat Rotschlämme, Könige und Zeitgeist

Plakat zur Ausstellung

Drei künstlerische Positionen, ein gemeinsamer Ort: Die Arbeiten von Andreas Bausch, Martin Langer und Kirsten Radermacher treten in den Räumlichkeiten von Gut Altenkamp in einen spannenden Trilog. Die barocke Atmosphäre des Herrenhauses und seines Gartens werden zur Bühne für Werke, die Raum, Form und Material auf je eigene Weise befragen und im Zusammenspiel unerwartete Resonanzen erzeugen.

Kirsten Radermacher

Die Bild- und Buchkünstlerin Kirsten Radermacher (*1981) arbeitet an der Schnittstelle von Fotografie, Objekt und Installation. Ausgangspunkt ihrer Arbeiten sind Fragen des alltäglichen Lebens: wie wir existieren, wahrnehmen, handeln. Wissenschaftliche Zusammenhänge dienen ihr dabei als Inspirationsquelle, die sie durch eine subjektive, assoziative Bildsprache in etwas Eigenes verwandelt. Das fotografische Bild ist für Radermacher kein Endpunkt, sondern ein Ausgangsmaterial. Sie lotet aus, was mit dem Bild möglich ist: wie es sich verändern, schichten, in Objekte überführen oder in Installationen erweitern lässt. In ihren Bildfolgen entsteht zwischen den einzelnen Werken ein Zwischenraum, der sich auf verschiedenen Ebenen entfaltet und Raum für eigene Gedanken lässt. Ihre Werkgruppe GIFTROT greift die Folgen industrieller Rotschlammablagerungen in den Landschaften Frankreichs auf. Die mit farbigen Pigmenten behandelten Fotoabzüge erzeugen dabei eine eigentümliche Spannung: Die Marsfarbe verleiht den Bildern eine apokalyptische Atmosphäre und weckt zugleich eine sinnliche Faszination, der man sich kaum entziehen kann.

Martin Langer

In den Skulpturen von Martin Langer (* 1967) zeigt sich die Kraft des Lebendigen. Ausgehend von Formen der Natur entstehen Wesen, die zugleich vertraut und fremd erscheinen. Seine „Geschöpfe“ changieren sich zwischen Pflanze, Tier und unbelebter Materie, als wären sie gerade erst im Entstehen begriffen, getragen von einem inneren Drängen zu wachsen und sich zu verwandeln. Langers Arbeiten kreisen um den Archetypus, um universelle Urbilder und Grundformen menschlicher Vorstellung. Seine Skulpturen sind reduziert und klar, zugleich von zeitloser Präsenz. Durch behutsame Variationen entfaltet sich aus wenigen Formen eine stille, eindringliche Vielfalt. Auch die menschliche Figur erscheint in seinem Werk – zurückgenommen, beinahe entrückt. Unter angedeuteten Hüllen verborgen, auf das Wesentliche konzentriert, gewinnen seine Figuren eine besondere Intensität. In den „Königen und Königinnen“ wird der Archetypus besonders greifbar. Es geht nicht um das Abbild weltlicher Herrscher, sondern um König und Königin als Sinnbilder innerer Entwicklung – für Haltungen wie Würde, Reife und Selbstbestimmung. Sie strahlen Ruhe und Erhabenheit aus und verweisen auf eine leise, innere Größe.

Andreas Bausch

Die Malerei von Andreas Bausch (*1966) macht in ihren Strukturen Zeit, Raum und Bewegung unmittelbar erfahrbar. Sein schneller, energetischer Farbauftrag steht im Kontrast zu den langen Zeiträumen, in denen die Bilder in vielen Schichtungen entstehen. Während des Entwicklungsprozesses spielt der Zufall immer eine entscheidende Rolle. In seiner Unvorhersehbarkeit dient er Bausch als Quelle der Inspiration. Wie beim Anblick von Wellen in der Natur öffnen sich Räume zwischen Veränderung und Beständigkeit. Es sind Bilder aus einem geheimnisvoll fließenden Ursprung – manchmal weit und gewaltig, wie in den Großformaten – dann still und leise, wie in der Gruppe der Flüsterkästen. Der Betrachter ist eingeladen, frei und unabhängig von Beurteilung zu sein und seiner natürlichen inneren Wahrnehmung zu folgen.
„Überraschende Ideen und witzige Eingebungen sind mir stets willkommen. Alles darf im Bild geschehen, was der Frage nach dem Wesentlichen dienlich ist. Kraftvolle Öffnungen der Bildoberfläche wirken dabei manchmal wie Risse in der Kulisse der Wirklichkeit“, so Andreas Bausch. Die Malerei zeigt sich uns hier als eine Art Momentaufnahme: Sie scheint wie ein Filmbild beweglich zu bleiben durch ein Vor- und Nachher. Die Handlung zieht in Bann, der Ausgang bleibt offen und spannungsvoll.